Die Alttiersaison ist mittlerweile beendet. Zeit für ein Resümee. Es war wieder einmal eine Saison, die den Züchtern, den RVen, den Regionalverbänden, den Flugleitern sowie allen mittelbar und unmittelbar Beteiligten alles abverlangte. So schlimm wie dieses Jahr war es noch nie!
Diesen Satz höre ich ausnahmslos seit Jahren. Da darf man sich fragen, ob und wann es wieder besser werden soll. Wir haben es teils mit extremen Wetterlagen zu tun, nahezu flächendeckend im gesamten Bundesgebiet, und das, obwohl unser Land nicht gerade klein ist. Die Niederlande sind fast neunmal kleiner, Belgien sogar zwölfmal. Das sollten sich alle „Besserwisser“ einfach einmal vor Augen führen. In Belgien sei alles besser, in Holland sei alles besser, Phrasen, die Woche für Woche in den (a)sozialen Medien zu lesen sind. Ja, was in aller Welt soll denn dort besser sein?
Auch unsere Nachbarländer hatten in dieser Saison immer wieder mit Extremtemperaturen zu kämpfen, was teilweise zu kompletten Absagen der Wochenendflüge führte. Warum dennoch der eine oder andere Marathonflug gestartet wurde, entzieht sich meiner Kenntnis und ist für mich als Brieftaubenzüchter und -liebhaber nicht nachvollziehbar. Es war schlicht und ergreifend eine Fehlentscheidung, nicht mehr und nicht weniger! Hier wäre der Eingriff einer „nationalen FSK“ bitter notwendig gewesen. Leider gibt es das dort nicht. Bei den internationalen Flügen sind die Entscheider vielleicht nicht immer fair, mir scheint es, zumindest kommt es mir so vor, als ob man die Deutschen überhaupt nicht fragt oder deren Meinung egal ist. Hier ist dringender Handlungsbedarf seitens der deutschen Weitstreckenspieler und deren Verantwortlichen gefragt. Und nein, mir ist nicht entgangen, dass die klassische Weitstreckentaube nicht mit den RV-Tauben vergleichbar ist. Aber auch die richtigen Marathontauben bekommen bei solchen Temperaturen ihre Grenzen aufgezeigt, was am Flugverlauf, der Konkurszeit und an den Spätheimkehrern abzulesen ist. Diese Tauben haben aber noch die Fähigkeit nachzukommen, bei den klassischen RV-Tauben haben wir diese Fähigkeit in den letzten 30 Jahren herausgezüchtet. Damit beginnt dann die „Krux“.
Mittelmäßig spielende Züchter von vielen RVen fühlen sich auf einmal berufen, die Weitstrecke beschicken zu müssen. Leute, wie in aller Welt sollen diese Tauben, welche bei den normalen RV-Flügen schon hinterherfliegen und Probleme haben auf einmal 700 km und mehr meistern? Das wird und kann nicht funktionieren, auch in den kommenden Jahren nicht! Man sollte deshalb stark darüber nachdenken, diese Vorgänge zu prüfen und zu reglementieren. Zum Wohle der Taube! Denkt doch bitte daran, dass jede Entfernung seine dazugehörige Taube hat. Der Gedankengang, „Gott sei Dank“ wieder ein Preislieferant, ist der falsche Denkansatz, da bin ich mir ganz sicher!
Die Greifvogelpopulation, vor allem die Wanderfalken, stellt ein großes Problem dar, mit dem unsere Lieblinge auf dem Heimweg zu kämpfen haben. Wie oft heimkehrende Tauben angegriffen werden, lässt sich nicht nachweisen, schwer verletzte Tiere bei der Ankunft machen die Gefahr jedoch deutlich. Bei den Assen, die den Heimatschlag nicht erreichen, ist davon auszugehen, dass viele von ihnen Opfer solcher Angriffe geworden sind. Leider! Der Falke jagt auch bei 35 Grad! Gerade dann ist ein Angriff nochmals schlimmer, da die Tauben panisch werden, vor Stress überhitzen und der Hitze dann noch mehr ausgesetzt sind und dehydrieren.
Fazit: Flüge bei Temperaturen ab 32 Grad dürfen künftig nicht mehr stattfinden. Als Brieftaubenzüchter tragen wir alle Verantwortung für das Tierwohl. Für „Hardliner“, die das ignorieren, darf in unserer Gemeinschaft kein Platz mehr sein.
Die FSK, eine nicht mehr wegzudenkende Organisation des Verbandes
Eines vorab; dies schreibe ich nicht vor dem Hintergrund eines ehemaligen Mitglieds der FSK! Seit der Gründung der FSK im Jahr 2018 wurde und wird Jahr für Jahr scharfe Kritik von Einzelmitgliedern des Verbandes geübt. Zu Unrecht, da alle Entscheidungen immer zum Wohle der Taube getroffen wurden. Pro Tierwohl zu entscheiden kann nie falsch sein! Viele Kritiker führten die verbandlichen Meisterschaften als Grund an. Meisterschaften? Keine Meisterschaft ist es wert, auch nur eine Taube aufs Spiel zu setzen.
Bitte denkt immer daran: Alle Mitglieder der FSK arbeiten ehrenamtlich und opfern für Euch ihre Freizeit. Wöchentliche Meetings, teils mehrfach und unter Einbeziehung verschiedener Wetterdienste, gehören zum Alltag. Wie viele Züchter sind heute noch bereit, sich zum Wohle anderer einzubringen? Schaut Euch nur in Euren RVen um: Wenn Arbeiten zum Nutzen aller anstehen, senken sich oft die Blicke zu Boden. Ist es ein Problem unserer gesellschaftlichen Struktur, dass kaum noch jemand bereit ist, sich für die Gemeinschaft einzusetzen?
Diese vier Personen sind nicht nur während der Saison aktiv: Sie bereiten auch die Flugleiterschulungen vor und führen sie durch. Auch das geschieht in ihrer Freizeit und verdient Anerkennung. Ich bin überzeugt, dass die FSK in ihrer bisherigen Arbeit zehntausende Taubenleben gerettet hat. Gleichzeitig sind Konsequenzen für Flugleiter notwendig, die sich nicht an die Grundsätze der FSK halten. Gerade Risikoauflässe müssen sanktioniert werden. Der Großteil der Flugleiter, ich würde sagen nahezu 90 Prozent oder mehr, nimmt die Sorgfaltspflicht für die ihnen anvertrauten Tauben umfassend wahr.
Leider wird dennoch weiterhin versucht, Flugleiter zu beeinflussen. Und meist werden nationale Meisterschaften vorgeschoben, das darf nicht mehr sein. Eingriffe in die Reisepläne sind nie gut, bringen sie doch den Ablauf der Saison durcheinander, aber besondere Gegebenheiten verlangen besondere Maßnahmen. Durch die geografische Ausdehnung Deutschlands mit fast 360.000 km², immerhin das viertgrößte Land der EU, ist es schlicht nicht möglich, bei Extremwetterlagen eine einheitliche Regelung zu treffen, die überall gleichermaßen passt. Diese Sportfreunde machen sich ihre Entscheidungen beileibe nicht leicht. Am Ende des Tages muss dennoch eine Entscheidung stehen. Natürlich gibt es immer Teile und Regionen, die mit einer Maßnahme nicht glücklich sind. Aber allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann! Und ja, manchmal verschieben sich Tiefdruck- oder Hitzegebiete um 100 Kilometer nach Norden oder Süden, sodass Flüge vielleicht 100 Kilometer weiter möglich gewesen wären. Aber Prognosedaten können nun einmal variieren. Genau auf diese vorausschauenden Daten für zwei bis drei Tage ist die FSK angewiesen. Zehn öffentliche Wetterdienste liefern oft mindestens fünf unterschiedliche Prognosen. Im Nachhinein ist es leicht, sich die passenden und vermeintlich richtigen Daten herauszusuchen. Diese Chance hat die FSK zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung leider nicht. Aus diesem Grund müssen die getroffenen Entscheidungen auch akzeptiert und respektiert werden. Das Feilschen und Handeln um wenige Kilometer am betreffenden Flugtag haben den Charakter eines türkischen Basars. Dies jedoch ist allen Beteiligten unwürdig und sollte unterbleiben.
Die Jungtierflüge stehen an, der August ist in der Regel der heißeste Monat im Jahr und sollte uns abermals eine Hitzeglocke treffen, so wird der FSK nichts anderes übrigbleiben als Flüge zu begrenzen bzw. komplett abzusagen. Auch das ist halte ich im Übrigen für die richtigen Maßnahmen.
Das Wetter gibt die Entfernung vor, nicht der Reiseplan
Die Reisepläne werden in der Regel im Dezember von den Regionalverbänden verabschiedet. Das ist grundsätzlich in Ordnung, doch jedem Plan liegt zwangsläufig eine Portion Optimismus zugrunde. Für mich bleibt er ein Blatt Papier ohne verlässliche Aussagekraft. Ihn jedoch als „heilige Kuh“ zu betrachten und damit für unantastbar zu erklären, passt nicht mehr in unsere Zeit. Die Zukunft wird das Gegenteil abverlangen: Wir müssen noch flexibler werden, natürlich zum Leidwesen der berufstätigen Züchter. Wenn heute noch 10 bis 15 Prozent der Züchter dieses Handicap tragen, stehen ihnen 85 bis 90 Prozent verrentete Sportfreunde gegenüber. Jedes Mitglied sollte gehalten werden, daran führt kein Weg vorbei. Beenden jedoch 5 Prozent der noch berufstätigen Züchter das Reisen, dürfte es in der zweiten Gruppe ebenfalls einen entsprechenden Anteil treffen, mit dem Unterschied, dass diese Gruppe etwa viermal so groß ist und ihre Tauben setzen sowie heimkehren sehen möchte. Mehrere Flugabsagen erhöhen den Frust, und manche Züchter reagieren darauf, indem sie das Reisen einstellen.
Abgesehen vom finanziellen Aspekt rückt dadurch ein vorzeitiges Saisonende immer stärker in den Fokus. Am Ende bleibt die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beides braucht niemand. Aus meiner Sicht muss das gesamte Reisesystem, einschließlich aller Meisterschaften, grundsätzlich auf den Prüfstand. Primär wissen fast alle Züchter nicht über den Druck diverser Tierschutzorganisationen und deren fast wöchentlich ankommenden offenen Briefe an den Verband Bescheid. Aber nicht nur diese Organisationen sehen unser Hobby überaus kritisch, so sind auch seitens der Bundesländer und der Regierung immer wieder Fragen zu beantworten. Dies alles geschieht bis jetzt im Verborgenen, sollte aber der Transparenz geschuldet allen Züchtern mitgeteilt werden. Wahrscheinlich sehen dann sehr viele Kritiker den Sachverhalt mit anderen Augen.
Entfernungen bis 250 km sind aus meiner Sicht unproblematisch und können, sofern die Tauben eingeflogen sind, auch bei erwarteten höheren Temperaturen absolviert werden. Entscheidend ist, dass die Tiere vor Beginn der großen Hitze wieder zu Hause sind. Bei 350 km oder mehr wird es dagegen schnell kritisch. Je nach Wind und Reiserichtung treffen die ersten Tauben dann erst zur Mittagszeit oder noch später ein, also zu einem Zeitpunkt, an dem die 30-Grad-Marke bereits überschritten ist. Niemand weiß, wie sich die Temperaturen künftig entwickeln werden. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre lässt sich jedoch erahnen, was auf uns zukommen kann.
Umso wichtiger ist es, sich bereits jetzt ernsthaft mit der Zukunft des Reisegeschehens auseinanderzusetzen. Reisepläne weiterhin Jahr für Jahr nach dem Muster der vergangenen 50 Jahre aufzustellen, dürfte nicht der richtige Weg sein. Soweit mir bekannt ist, berücksichtigt bislang kein Reiseplan diese Problematik angemessen. Wie belastbar die aktuellen Pläne sind, lässt sich jederzeit überprüfen: Welche Vorgaben wurden im Reisejahr 2026 in den einzelnen RVen und Regionalverbänden tatsächlich eingehalten? Wie viele Verlegungen, Verkürzungen und Reiseabbrüche gab es? Wie viele 500- und 600-km-Flüge wurden durchgeführt? Eine entsprechende Statistik wäre hierzu sicher aufschlussreich.
500- und 600-km-Flüge sind zumindest für mich die „richtigen“ Preisflüge. Hier entscheidet die Qualität der Tauben über Sieg oder Niederlage, nicht das beste System. In den 1980er- und 90er-Jahren waren Endflüge meist auf 700 km angesetzt und wurden auch durchgeführt. Heute wäre das undenkbar. Vielerorts wird bereits bei 400 oder 500 km darauf geachtet, dass auf der Strecke kein Kopfwind herrscht. Meiner Ansicht nach liegt das auch daran, dass die Qualität der Allroundtaube in den vergangenen 20 bis 30 Jahren weitgehend verloren gegangen ist. Auf den heutigen Flügen findet kaum noch Auslese auf Härte statt, dadurch ging auch das Qualitätsmerkmal „Mordant“ zunehmend verloren. Diese Fähigkeit wiederzuerlangen, wird nicht leicht sein, vielleicht ist es sogar nicht mehr möglich. Meiner Ansicht nach ist der „Point of no return“, zu Deutsch, der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, bereits überschritten. Zur Wahrheit gehört aber auch, viele Sportfreunde wollen große Distanz- oder Nationalflüge nicht mehr. Ich schätze, dass mindestens 70 Prozent aller Sportfreunde weite Flüge ablehnen. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass auch diese „großen“ Flüge grundsätzlich noch möglich wären, sofern man sie wirklich will und bereit ist, auf das passende Wetter zu warten.
Nationale Meisterschaften und die dazugehörigen Vorgaben
Jedes Jahr werden in der „Nr. 5“ die Bedingungen für alle nationalen Meisterschaften veröffentlicht. Für das Jahr 2026 kamen weitere nationale Titel hinzu wie z.B. beste jährige As-Taube, beste Mittelstrecken-As-Taube und nationale As-Jungtaube. Auf den ersten Blick mag das positiv wirken. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch eine gewisse inflationäre Ausweitung der Meisterschaften. Und schaut man noch genauer hin, stellt sich berechtigt die Frage, für wen diese Titel eigentlich ausgelobt werden. Nationale Titel sind reizvoll und nationale Meisterschaften haben zweifellos einen besonderen Stellenwert. Zur Wahrheit gehört aber auch: 99 Prozent aller Sportfreunde sind dabei von vornherein chancenlos. Bei diesen Meisterschaften sollen Züchter von Flensburg bis Cham miteinander konkurrieren. Kann das funktionieren? Deutschland weist von Nord nach Süd erhebliche geografische Unterschiede auf. Hinzu kommen die gefühlt 25 Reiserichtungen, aus denen quer durch das Land gespielt wird. Wie soll unter solchen Bedingungen eine gemeinsame deutsche Meisterschaft fair ausgeflogen werden? Je nach Wind und Wochenende werden die Tauben der einen Richtung mit 1.700 m/min nach Hause getragen, während eine andere Richtung mit 1.150 m/min um den ersten Konkurs kämpft. Chancengleichheit? Wohl kaum.
Das Konstrukt gemeinsamer nationaler Meisterschaften sollte in einer Klausurtagung als eigenes Thema umfassend geprüft werden. Dabei sollten die Vorteile den Nachteilen gegenübergestellt werden. So schwer kann das nicht sein. Sind es nicht vor allem die Meisterschaften und ihre Bedingungen, die immer wieder zu Reibungspunkten führen? Um kaum etwas wird mehr gefeilscht und gestritten. Werden dann noch zusätzliche nationale Titel ausgelobt, entsteht eher noch mehr Unfrieden. Je mehr Meisterschaften, desto mehr Gezanke. Die Deutsche Meisterschaft einschließlich aller zugehörigen Untertitel sollte daher in die Verantwortung der Regionalverbände gelegt werden, von mir aus auch in die der einzelnen Bundesländer. Auch wenn das je nach Bundesland bereits schwierig werden kann. In den einzelnen Regionen herrschen zumindest annähernd vergleichbare Bedingungen, auch wenn in vielen Regionalverbänden mehrere Reiserichtungen beschickt werden. Wenige dieser unterschiedlichen Richtungen je Regionalverband sind aufgrund der geografischen Lage sicher notwendig; bei vielen anderen steht jedoch eher die Flucht vor stärkerem Wettbewerb im Hintergrund, auch wenn das kaum jemand offen zugibt. Nach meinen derzeitigen Recherchen erfüllen etwas mehr als 60 Prozent der Sportfreunde die Ausschreibungsbedingungen, das heißt aber auch, knapp 40 Prozent der Züchterschaft sind ausgeschlossen. Unabhängig von den Gründen darf und muss die Sinnhaftigkeit dieser Ausschreibung hinterfragt werden. Warum stellen so viele Sportfreunde gegen Ende der Saison den Reisebetrieb ein? Dafür gibt es sicher zahlreiche Ursachen, doch die Deutsche Meisterschaft dürfte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Häufig wird angeführt, die Saison sei bereits schwer genug gewesen und die Tauben sollten für das nächste Jahr geschont werden. Dass dies der falsche Ansatz ist, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben: Eine geschonte, schwache Jährige wird als Zweijährige dadurch nicht automatisch besser. 15 oder 17 Wochenenden einschließlich der Trainingsflüge sind ein langer Zeitraum. Hinzu kommt noch der Jungtierflug.
Die Zeit der Individualisten im Brieftaubensport scheint vorbei zu sein. Es gibt in der momentanen Zeit einfach andere Schwerpunkte, welche konträr zum Brieftaubensport stehen. Trotzdem sollte man versuchen alle mitzunehmen. Ob dies aber mit weiterem Hinzufügen von Meisterschaften funktioniert, bezweifele ich stark.
Die Qualität der momentan klassischen RV-Taube
Wie bereits beschrieben, wurde das Zuchtziel, getrieben durch die Vorgaben der Meisterschaften, nahezu vollständig auf Geschwindigkeit ausgerichtet. Meistertitel waren nur noch mit hohen As-Punktzahlen zu erreichen. Mit Tauben die 10, 11 oder 12 Preise mit rund 500 Punkten errungen hatten ließ sich national nichts mehr gewinnen. In der Folge wurden vermehrt Kurzstreckentauben aus den Nachbarländern eingeführt. Die Vitesse ist in Belgien und den Niederlanden nach wie vor die am weitesten verbreitete Spielart. Tauben gibt es dort also genug. Doch sind es auch die richtigen Tauben? Schnell sind sie zweifellos, aber auf 500 oder 600 km wurden sie weder gezüchtet noch selektiert. Bei 100 bis 200 km ist es nicht nötig, unterwegs zur Wasseraufnahme kurz zu landen. Diese Veranlagung fehlt diesen Tauben und unserem heutigen Besatz inzwischen ebenfalls weitgehend. Wer unterwegs zum Trinken Halt macht, ist bei Konkurszeiten von 15 Minuten aus den Preisen. Geschieht das drei- oder viermal, trennt man sich in der Regel von dieser Taube. Bei Flügen bis 300 km entscheiden zweifellos vor allem System, Lage und Wind über Erfolg oder Misserfolg. Erst mit zunehmender Entfernung kann Qualität solche Nachteile wieder ausgleichen. Viele Züchter möchten diese weiten Distanzflüge jedoch nicht mehr bestreiten. Gerade dort hätten sie aber die Möglichkeit, ihre Preisausbeute zu verbessern, vorausgesetzt auf dem Schlag sitzt genügend Qualität. Daran mangelt es allerdings in vielen Fällen. Das einem Züchter offen zu sagen, ist schwierig und wird selten verziehen, auch wenn es der Wahrheit entspricht.
Ich war international viel unterwegs und traf dennoch immer wieder auf dieselben Aussagen. Jeder hatte die besten Tauben, spielte gegen die stärksten Gegner und hatte zugleich die schlechteste Lage. Leider ist das auch in Deutschland nicht anders. Gibt es in einer Region wirklich starke Züchter, wird oft versucht, sie auszugrenzen. „Mit denen machen wir keine Liste“, so lautet dann häufig der Tenor der Verlierer. Umso wichtiger ist es, dass die 2026 verabschiedete RVO auch gut reisende Schläge vor Ausgrenzung schützt. Statt sich der geringeren Qualität der eigenen Tauben zu stellen und gezielt bessere einzuführen oder zu züchten, täuscht man sich mit hausgemachten Listen selbst und glaubt, gute Tauben zu besitzen. Das ist ein grundlegender Irrtum. Wird auf diesem Niveau weitergezüchtet, ist das Ende der Fahnenstange schnell erreicht. Dann muss man sich die nächste Ausrede oder Maßnahme einfallen lassen, um weitere Spitzenzüchter loszuwerden. Mit derartigen Aktionen wird die Qualität noch schlechter anstatt besser. Das ist bitter, aber es entspricht der Wahrheit.
Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag nicht überall auf Zustimmung stoßen wird. Manchmal ist es jedoch besser, Probleme klar und schonungslos anzusprechen, als dem bisherigen Irrweg noch weitere Jahre zu folgen.
Franz Steffl
Diesen und weitere Fachartikel finden Sie auch in unserer Verbandszeitschrift "Die Brieftaube"!








